40 Jahre nach Tschernobyl: Kaum noch Wildschweine verseucht
Warum sind Wildschweine und Pilze auch 40 Jahre nach Tschernobyl noch von Radioaktivität betroffen? Ein Blick auf Messwerte und Empfehlungen.
Warum sind Wildschweine und Pilze auch 40 Jahre nach Tschernobyl noch von Radioaktivität betroffen? Ein Blick auf Messwerte und Empfehlungen.
Auch 40 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl sind dessen Folgen in Deutschland noch messbar. So können Wildschweinfleisch und Pilze aus Wäldern in Rheinland-Pfalz weiterhin radioaktiv belastet sein, wie das Landesuntersuchungsamt (LUA) mitteilte.
Allerdings gehe die Belastung nach aktuellen Auswertungen zurück. Eine Analyse habe gezeigt, dass selbst ein häufiger Verzehr von Wildschweinfleisch hinsichtlich der radioaktiven Belastung inzwischen als unbedenklich gilt, teilte das Amt mit.
Jäger müssen Fleisch kontrollieren
Jägerinnen und Jäger sind verpflichtet, bei der Vermarktung von Wildfleisch Eigenkontrollen durchzuführen. So stellen sie sicher, dass ausschließlich gesundheitlich unbedenkliche Produkte in den Handel gelangen, wie das Amt erklärte.
Ergänzend dazu überprüft die amtliche Lebensmittelüberwachung stichprobenartig Schwarzwildfleisch aus Handel, Gastronomie und spezialisierten Metzgereien. In den vergangenen zwei Jahren untersuchte das LUA nach eigenen Angaben 105 Proben von Schwarzwildfleisch – keine überschritt den gesetzlichen Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm.
Das Bundesverwaltungsamt (BVA) erstattet Jägerinnen und Jägern für Wild, das wegen zu hoher Strahlenbelastung nicht verkauft werden darf. Für das vergangene Jahr sei laut BVA-Daten nur ein Schwarzwild registriert worden, für welches eine reguläre Erstattung von 204,52 Euro ausgezahlt wurde. Es fielen demnach auch nur einmal Kosten für eine Untersuchung in Höhe von 10,23 Euro an.
Deutschlandweit zahlte das BVA Erstattung für 2.927 Tiere. Der größte Teil davon stammt aus Bayern: 2.308 Tiere oder knapp 80 Prozent. In Baden-Württemberg waren es 491 Wildschweine. Anderes Wild war deutschlandweit nicht betroffen.
Unbedenkliche Wildpilze
Auch bei wild gesammelten Pilzen zeigen sich dem Landesuntersuchungsamt zufolge positive Entwicklungen. Zwar werden diese in Deutschland in der Regel nicht gewerblich vermarktet und daher kaum amtlich kontrolliert. Dennoch analysierte das LUA zwischen 2022 und 2025 insgesamt 70 Proben aus Rheinland-Pfalz. Auch hier lagen sämtliche Messwerte deutlich unter dem Grenzwert.
Der Verzehr von Wildpilzen gilt damit grundsätzlich als unbedenklich – allerdings nur in Maßen. Das Bundesumweltministerium empfiehlt, wegen möglicher Belastungen mit Cäsium-137 sowie Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium nicht mehr als 200 bis 250 Gramm frische Wildpilze pro Woche zu essen. Für Kinder gilt eine entsprechend geringere Menge.
Wildschweine und Pilze betroffen - wieso?
Nach dem Reaktorunfall am 26. April 1986 zog eine radioaktive Wolke über Europa. Je nach Niederschlagsmenge verursachte sie unterschiedlich starke Belastungen. Heute spielt vor allem das langlebige Cäsium-137 eine Rolle, dessen Halbwertszeit rund 30 Jahre beträgt. Ein Großteil ist bereits zerfallen, dennoch werden die Auswirkungen noch über Jahrzehnte messbar bleiben.
Besonders betroffen sind Wildschweine und Pilze. In Waldböden gebundenes Cäsium wird von Pilzen aufgenommen und gelangt über die Nahrungskette auch in Wildschweine, die unter anderem unterirdisch wachsende Hirschtrüffel fressen. Diese können das radioaktive Element besonders stark anreichern. Daher ist die Belastung von Wildschweinfleisch in einigen Regionen weiterhin höher als bei anderen Wildtieren.
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